UHF oder VHF?
Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass UHF-Drahtlossysteme VHF-Systemen systembedingt weitaus überlegen seien. Diese Vorstellung wird jedoch nicht durch Fakten gestützt. Wie so oft in technischen Zusammenhängen haben beide Systeme Vor- und Nachteile. Je nach vorliegender Situation kann also UHF die bessere Wahl sein oder auch nicht.
Es gibt eine Reihe wichtiger Faktoren zu bedenken. Hierzu gehört, wo und wie die Systeme eingesetzt werden und zu welchem Zweck oder für welche Anwendung. Die Kosten spielen bei der letztendlichen Entscheidung unweigerlich auch immer eine Rolle. Andere Faktoren, z. B. ob das Equipment an vielen unterschiedlichen Veranstaltungsorten eingesetzt werden soll, können auch von Bedeutung sein. Eine sachlich fundierte Entscheidung kann nur gefällt werden, wenn die Gesamtsituation miteinbezogen wird.
Zusammenfassend kann man sagen, dass UHF-Systeme keine bedeutenden technischen Vorteile gegenüber vergleichbaren VHF-Systemen haben. Der wichtigste Vorteil von UHF-Systemen ist das geringere Intereferenzrisiko, weil ein breiteres Frequenzspektrum zur Verfügung steht.
Interferenz auf Grund von Nebenemissionen anderer Funkquellen ist auf UHF-Frequenzen weniger problematisch, da hier weniger Sender operieren. Die Interferenz auf Grund von elektrischen und digitalen Geräten, Computern oder anderen elektronischen Komponenten ist im Allgemeinen bei UHF-Frequenzen ebenfalls geringer, da diese Quellen bei zunehmender Frequenz rauschärmer werden. Interferenzen werden allgemein nicht so weit übertragen wie bei VHF-Frequenzen.
UHF-Drahtlossysteme sind durchgängig teurer als vergleichbare VHF-Systeme. Die zusätzlichen Kosten von UHF-Komponenten erklärt sich durch die teureren Ultrahochfrequenz-Bauteile, die insgesamt größere Anzahl von Teilen und die höheren Herstellungskosten. Bei der Herstellung schlagen noch andere Faktoren zu Buche, besonders die für Justierung und Überprüfung des Systems benötigte Zeit. Obwohl sich der Kostenunterschied zwischen UHF- und VHF-Systemen verringert hat, wird er wohl nie ganz verschwinden.
Die Batterielebensdauer von VHF-Sendemodulen ist fast durchweg größer als von vergleichbaren UHF-Einheiten. Rechnet man dies auf die Gesamtlebensdauer des Systems hoch, ergeben sich signifikante Einsparungen bei den Batteriekosten. Bei umfangreicheren Installationen sind die Kosten für Antennen, Kabel, Antennen-Splitter und Vorverstärker bei VHF-Systemen normalerweise weitaus geringer, die Leistung jedoch durchweg besser als bei UHF-Systemen.
Es wird deutlich, dass VHF-Systeme tendenziell Kostenvorteile mit sich bringen, während bei UHF-Systemen das Interferenzrisiko geringer ist. Es gibt für die Auswahl eines der beiden Systeme noch weitere Aspekte zu bedenken:
- Egal ob die Wahl auf UHF oder VHF fällt, Diversity-Systeme sind stets zu empfehlen. Diversity lohnt sich besonders bei UHF-Systemen, weil Dropouts auf Grund von Mehrwegausbreitung bei UHF-Frequenzen schwer wiegender sind.
- Wenn die Drahtlos-Komponenten in Großstädten oder Industriegebieten eingesetzt werden sollen, kann UHF die bessere Wahl sein, da VHF interferenzanfälliger ist. Ein einwandfreier VHF-Betrieb ist jedoch möglich, wenn die verwendeten Frequenzen sorgfältig ausgewählt und Interferenzen mit industriellen Anlagen vermieden werden.
- Wenn die Drahtlos-Komponenten in verschiedenen Städten zum Einsatz kommen sollen, stellen VHF-Systeme, die auf den speziellen Frequenzen im Bereich von 169-172 MHz operieren, eine kostengünstige Alternative dar (gilt für USA und Kanada). Diese so genannten "Traveling-Frequenzen" sind allerdings sehr beliebt und nicht für Situationen geeignet, in denen wahrscheinlich eine Vielzahl von Drahtlossystemen eingesetzt wird, z. B. auf Messen und Ausstellungen. In solchen Fällen sind frequenzagile UHF-Systeme die bessere Wahl.
- VHF- und UHF-Systeme mit fester Frequenz (Einzelkanal) im TV-Frequenzbereich sind für den mobilen Einsatz der Systeme möglicherweise keine gute Wahl. Alle VHF- und die meisten UHF-Fernsehkanäle werden an dem einen oder anderen Ort verwendet und letztendlich sind die Frequenzkonflikte vorprogrammiert. Frequenzagile UHF-Systeme sind hier die bessere Wahl.
- Für Situationen, in denen wahrscheinlich eine Vielzahl von Drahtlossystemen zum Einsatz kommen wird, werden UHF-Systeme empfohlen, da bei diesen Systemen mehr Frequenzen zur Verfügung stehen und das Interferenzrisiko geringer ist.
- UHF-Systeme sind gut für Situationen, in denen kleineren, weniger sichtbaren Antennen eine große Bedeutung zukommt, z. B. wenn die Sendemodule am Körper versteckt werden sollen. UHF kann auch die bessere Wahl darstellen, wenn für größere Reichweiten Hochleistungsantennen eingesetzt werden müssen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass VHF-Systeme in den allermeisten Fällen bei weitaus geringeren Kosten als bei vergleichbaren UHF-Systemen ausgezeichnete Ergebnisse liefern. Es gibt jedoch einige Situationen, z. B. wenn angenommen werden kann, dass Interferenzen ein erhebliches Problem darstellen werden, in denen UHF logischerweise das System der Wahl ist. Es ist klar, dass hier nicht alle Situationen berücksichtigt werden können und es weitere Komplikationen und Faktoren gibt, die bedacht werden müssen. Wenn Sie sich noch immer unsicher ist, welches die beste Wahl für Ihr spezielles Anwendungsgebiet ist, wenden Sie sich an Ihren Händler oder direkt an Audio-Technica.